Die Hexe von Korsika, der Esel und ich – ein Reisebericht

Scandola Bootsfahrt

Heuer fiel zum allerersten Mal die Wahl auf Korsika und merkwürdigerweise waren da plötzlich Menschen, die mir allerhand Tipps und Infos gegeben haben, was ich nicht alles machen und anschauen könnte – in einer Woche pff. Naja, der Dauerstrandlieger bin ich ohnehin nicht. So kam ich also am Sonntag den 2. August 2015 in Calvi an – ohne Erwartungen, aber mit eben den zahlreichen Tipps für die nächsten 5-6 Wochen. Ein recht bestimmter, dunkelgebräunter Mann blickte mich eine Mikrosekunde an und meinte: „Du willst zum Esel? Dann Bus 2!“. Ääähm, zufällig richtig, aber verdammt, woher wusste der das, rätselte ich!? Zielsicher stapfte ich mit Gepäck Richtung „Bus 2“ und verließ mich auf den herzerwärmenden „Befehl“ des gebräunten Mannes mit Vorarlberger Dialekt. Kaum stieg ich aus dem Bus aus und hatte das Gepäck entladen, drückte man mir schon einen kühlen Drink in die Hand. Danach begann ich die Umgebung zu erkunden. Calvi, die Zitadelle und Supermärkte checken – für Notfälle. Zurück im Dorf, bekam ich prompt den Schlüssel und den Plan für die Findung des Schlafplatzes. Der wurde ruck zuck gefunden, bezogen, verlassen und versperrt. Der Hunger drückte das Gemüt und die Spelunca hatte einiges zu bieten … Dort lernte ich auch am ersten Tag Walley M. kennen, die mir das Feriendorf kundig machte und alles zu kennen schien. Kaum kam sie an, wurden allerhand Leute spontan begrüßt. Zufällig hatte sie auch den Bungalow neben mir. Die Chemie passte und weiteres konnte geplant werden. Für den Montag hatte ich eine Bustour in die alten Dörfer der Balagne gebucht. Rosie, die Reiseleiterin, ist offenbar mit Herz und Seele Korsika affin, was ich als Korsika Novize sehr gerne mitnahm. Selbst meine zahlreichen Fragen beantwortete sie geduldig. Eine tolle Tagestour und wunderbar für den Einstieg. Dienstag wurde aus meiner geplanten Radtour dann eine „Hausbergwandertour“, die ich mit Walley M. durchführen durfte. Den „Capu di a Veta“ als Hausberg zu bezeichnen, finde ich rückblickend als Frevel. Definitiv nichts für nasse Tage, falsche Schuhe, miese Kondition und Höhenangst. Der Tag war jedoch trocken, die Schuhe perfekt (ich kam mir vor wie eine Gämse), die Kondition top, aber runter schauen war 2 Stunden lang eine großartig schlechte Idee. Mittwoch ein Tag für Ile Rousse. Reinquetschen in den Bummelzug um 10 Uhr morgens. Unfassbar viele Menschen sind da schon munter und reisefreudig. Der Leuchtturm und das schöne Gesteinsmassiv sind definitiv sehenswert. Auch die Innenstadt ist sehr nett und einladend. Den Bummelzug zurück, hatte ich erfolgreich knapp verpasst und hätte ewig warten müssen. So kam ich auf die verwegene Idee die Geleise entlang zurück zu gehen. Ich dachte nur ich bin so verwegen…*lach*. Bis Marine de Davia bin ich gelaufen und musste mich dort wieder in den Zug quetschen … Donnerstag per pedes nach Lumio, um die Ölmühle „das Atrium“ heim zu suchen. Dort kam ich in den Genuss einer Ölverkostung, die mich zum Extremshopping veranlasst hat. Herrliche Kekse und fantastische Schokokugeln gab es dort. Zurück sind wir danach über den herrlich menschenleeren Kiesstrand gelaufen. Einfach wunderschön. Danach noch eine gemütliche Schiffstour namens Scandola. Das muss jeder gesehen haben, denn das ist nicht zu beschreiben, so beeindruckend und wunderschön ist das. Der Adlerhorst war für mich ein ganz besonderer Bissen – entzückend. Freitag dann endlich biken! 65 km im Raum Bocca di Battaglia bis knapp vor Calvi! Super schöne Strecke die wir Großteils mit Windschattenfahrten zurückgelegt haben. Super Truppe bestehend aus zwei Deutschen, einem Schweizer und meiner Wenigkeit! Ein herrlicher Tag, der am Strand mit einer Abkühlung geendet hat. Samstag wieder biken – juhuu. Diesmal die Westküste bis zur Argentella-Bucht wo es abermals traumhafte Steine gab, glatt poliert und einfach magisch, ferner faszinierend wie die Natur das hinbekommt. Die Strecke selbst, der Wahnsinn. Entlang der Küste fühlt man sich frei wie ein Vogel. Schreien könnte man vor Lebenslust … und da war sie, die Hexe. War ich die Tage davor mäßig begeistert von Korsika, obwohl ich doch einiges gesehen hatte, war ich nach dieser Tour infiziert. Sie hatte mich urplötzlich verhext, total unschuldig kam sie über mich und hat mir ihr „Korsisches Gift“ verabreicht. Voll motiviert bin ich im Anschluss noch mit einem Mitstreiter zu „Notre-Dame de la Serra“ hinaufgeradelt. Traum-Ausblick, was soll man da sagen. Ein Besuch am Abend hätte sich gelohnt.

Ja und der Esel!? Super nette Leute, super gutes Essen, alle freundlich und hilfsbereit. Herz, was willst du mehr im Urlaub. Sonntag, Tag der Abfahrt. Wehmut im Gepäck inklusive der Erkenntnis, dass man Korsika auf seine eigene Art erleben muss und alle Tipps und Infos sinnlos sind. Zumindest bei mir sinnlos waren. Ich habe mich für eine aktive Woche entschieden und die habe ich bekommen, im „Club Alpine Autrichien“. Eine ganz tolle Woche, die mich zu folgenden Schluss kommen lässt… „jusqu’à l’année prochaine“

Alexandra Sturm, Gast