Laufwoche auf Korsika

Aufgrund der sehr positiven Rückmeldungen nach der erstmalig im Jahr 2016 durchgeführten Laufwoche auf Korsika, haben sich die Organisatoren unter der Leitung von Günter Ernst und Edgar Eberle, erfreulicherweise für eine erneute Durchführung entschieden.

Am 30. April 2017 war es wieder so weit und das Flugzeug startete von Memmingen in Richtung Calvi. An Board 20 LaufseminarteilnehmerInnen – zum einen einige „Wiederholungstäter“ und zum anderen viele „Frischlinge“ sowie die Coaches Günter und Markus. Weitere zwei Teilnehmerinnen aus der Steiermark stießen via Salzburg – Calvi später zur Gruppe dazu.

Auf Korsika angekommen, begrüßte uns „unser Mann vor Ort“: Edgar Eberle, der auch die vielen tollen Strecken für uns ausgewählt hat. Nach einer kurzen Busfahrt wurden wir im Feriendorf Zum Störrischen Esel mit einem korsischen Willkommensdrink und vielen Infos sehr freundlich von unserer Gastgeberin Uschi empfangen. Am ersten Abend, beim gemeinsamem Essen und einer kurzen Vorstellungsrunde, wurde schnell klar, dass in der Gruppe sehr unterschiedliche LäuferInnen aufeinander getroffen sind: Jene, mit langjähriger Lauferfahrung – auch bergwärts – (unsere Profis) und solche, die mit dem Laufen erst vor Kurzem durchgestartet sind. Nach Vorstellung des Wochenprogramms durch die Laufcoaches Günter, Edgar und Markus ahnten alle, dass diese Woche sicherlich die eine oder andere Herausforderung bergen wird und viele Kilometer zu absolvieren sind. Es wurde uns jedoch versichert, dass es für alle machbar ist. Gespannt, neugierig, dennoch mit großer Vorfreude verabschiedeten wir uns bald in unsere Bungalows.

1. Tag (Montag): Bereits um 8:00 Uhr morgens starteten wir unsere erste Tour, welche als Einstiegsrunde bei einigen der Teilnehmer doch ein etwas mulmiges Gefühl hervorrief. Die Laufrunde war mit 20 Kilometer und 550 Höhenmeter beschrieben, wobei es gleich zu Beginn steil bergaufwärts gehen sollte. Die Stimmung war jedoch bereits zu Beginn sehr positiv und so starteten wir nach dem ersten Gruppenfoto voll motiviert und aufgeregt zu unserem ersten Berglauf auf Korsika. Die Strecke führte uns durch eine blühende Macchia bergwärts, ständig mit Blick auf das Meer. Für jene, die das erste Mal am Laufseminar teilnahmen, waren diese landschaftlichen Ausblicke unglaublich und auch für die Läufer, die letztes Jahr dabei waren, war es erneut ein fantastisches Erlebnis. Erstes Etappenziel war die Wallfahrstkirche Madonna de la Serra. Von dort ging es nach einem kurzen Fotostopp über eine steinige und steile Strecke weiter, auf die Halbinsel Revellata zum Leuchtturm.

Der Ausblick aufs Meer und auf die umliegenden Hügel und Berge lenkten von den ersten Ermüdungserscheinungen ab und entschädigten alle Teilnehmer für die Strapazen. Wiederum nach einem kurzen Stopp (zwischenzeitlich hat es zu regnen begonnen) ging es weiter ent-lang der Küste Richtung Calvi und retour „Zum Störrischen Esel“. Die ersten 21 Kilometer – geschafft! Im Feriendorf angekommen waren alle stolz und erleichtert, diese erste – auch nach Aussagen der Lauftrainer – anspruchsvolle Laufstrecke so gut gemeistert zu haben. Wohlverdient freuten wir uns auf einen entspannten Nachmittag im Feriendorf. Diese Freude währte jedoch nur kurz. Günter teilte uns mit, dass nach einer kurzen Pause am Nachmittag eine Lauftechnikeinheit stattfinden wird und wir nochmals ca. 6 Kilometer laufen werden. Nach einer kurzen Schockstarre war bald klar, dass es sich um keinen Scherz handelte… Also traf man sich um 15:00 Uhr voll motiviert zum nächsten Laufeinsatz. Beim Sportplatz von Calvi erhielten wir dann wertvolle Tipps zur Lauftechnik. Videos wurden von jedem Teilnehmer aufgenommen, welche dann am am Abend bei einer Theorieeinheit analysiert wurden. Günter gab dabei wiederum wertvolle Hinweise, wie bei jedem einzelnen Verbesserungen möglich wären. Nach diesem schönen, anstrengenden aber vor allem erlebnisreichen ersten Tag war eine frühe Nachtruhe angesagt, denn der 2. Tag war ebenfalls mit einer Laufstrecke von bis zu 20 Kilometern ausgeschrieben.

2. Tag (Dienstag): Bei strahlendem Sonnenschein und mit etwas müden Beinen fuhren wir mit dem Bus nach dem Frühstück Richtung Ile Rousse. Dieses Mal gab es die Möglichkeit, sich zwischen einer kürzeren und einer etwas längeren Strecken zu entscheiden. Durch diese Wahlmöglichkeit wurde von unseren kompetenten und erfahrenen Coaches gesichert, dass sich keiner übernimmt und alle auf ihre Kosten kommen konnten. Beide Touren führten entlang dem Küstenverlauf, teilweise im Sand und entlang der einzigen Bahnlinie auf Korsika, von Ile Rousse zum Camp Raffalli, dem Stützpukt der Fremdenlegion. Immer mit Blick auf das türkisblaue Meer und im Hintergrund auf die noch verschneiten Berge.

Nach ca. der Hälfte der Wegstrecke (bei Kilometer 10) wurde von unseren „Wiederholungstätern“ ein Unterbruch des Laufs gefordert. Offensichtlich kreuzte die beste Eisdiele Korsikas unseren Weg und laut Erzählungen wurde ihnen dieses Eis im letzten Jahr zwar angepriesen, jedoch vorenthalten. Und es stimmte wirklich: Das Eis war ausgezeichnet und den Abstecher wert! Gestärkt ging es dann auf die nächsten 10 Kilometer.
Nach 20 Kilometern und 350 Höhenmetern fanden wir uns zur Mittagszeit wieder im Feriendorf ein und freuten uns dieses Mal wirklich auf einen entspannten Nachmittag am Strand.

3. Tag (Mittwoch): Der Tag begann mit Frühgymnastik im Garten und nach dem Frühstück fuhren wir in den Wald von Bonifato, wo ein kleiner Teil der Gruppe ausstieg. Sie machten sich auf den Weg zu einem ambitionierten Berglauf (17 Kilometer/800 Höhenmeter), wobei 12 Kilometer abwärts zu laufen waren. Die zweite Gruppe wurde mit dem Bus in das Fango-Tal geführt und lief entlang des malerisch gelegenen Fangoflusses eine Strecke von 12 Kilometern. Alternativ konnte auch eine kürzere Strecke gewandert werden. Gemeinsamer Treffpunkt aller Gruppen war eine idyllisch gelegene Pizzeria, welche direkt am Fluss liegt. Hier konnten wir uns von den Strapazen der letzten 3 Tage erholen und unsere müden Beine im Wasser abkühlen. Einige wenige nutzen sogar die Gelegenheit, im eiskalten Fluss zu baden. Gestärkt durch eine leckere Steinofenpizza ging es lustig und gesangesfroh (Andreas Gabalier war unser ständiger Begleiter) zurück ins Feriendorf. Am Abend gab es erneut eine Theorieeinheit, welche weitere Tipps und Tricks bereithielt und vor allem auch das Thema „Motivation“ abdeckte. Für uns alle wieder äußerst lehr-, und sicher für die „Laufzukunft“, hilfreich.

4. Tag (Donnerstag): „Ruhetag“ war angesagt und der Tag stand allen TeilnehmerInnen zur freien Verfügung. Anstelle von „ausruhen“ ließen es sich einige jedoch nicht nehmen, auch an diesem Tag einen Teil dieser tollen Insel sportlich zu erkundigen, sei es mit einem zusätzlichen Lauf oder aber mit dem E-Bike. Beim gemeinsamen Abendessen wurde dann noch lange über die unterschiedlichen Erlebnisse und Eindrücke von diesem Tag erzählt.

5. Tag (Freitag): Es folgte ein weiteres Highligt. Der Lauf führte uns durch die Agriaten-Wüste, die einsame Küste im Norden der Insel. Diese Strecke war mit 15 Kilometern und ca. 350 Höhenmetern angegeben. Die Frage, die sich uns vor der Abfahrt stellte: „Handelt es sich tatsächlich um eine Wüste?“, wurde bei Ankunft am Ausgangsort unserer Laufstrecke bald geklärt : Es ist keine typische Wüste, da genügend Wasser in Form von Bächen, Quellen und Teichen in Meeresnähe für die Vegetation vorhanden ist, zumindest im Frühjahr. Es blühte und duftete nach den vielfältigen Gewächsen der Macchia: Erdbeerbaum, Rosmarin, Lentiske (Mastixstrauch), Myrthen und Korsische Zistrosen. Die landschaftlichen Eindrücke und die Vielfalt waren erneut sehr eindrücklich und für uns alle unglaublich. Ziel dieser Tour war eine kleine Meeresbucht, in der wir uns abkühlten und schon wehmütig an Sonntag dachten.

6. Tag (Samstag): Bevor wir am Samstag – immer noch voll motiviert nach bereits fast 100 Kilometern in den Beinen – zum leider fast letzten Lauf starteten, gab es „Aufwärmen mit Frühgymnastik und kleinem Lauf-ABC“. An diesem Tag starteten wir unsere „Dörferrunde“ vom anscheinend schönsten Dörfchen Frankreichs: Sant’Antonino. Sant’Antonino ist auf 479 Metern Höhe in einem Gebirgskamm gelegen. Aufgrund der ausgezeichneten Panoramasicht wird es auch „Adlerhorst der Balagne” genannt und ist eine begehrte Touristenattraktion. Das Ortsbild prägt eine Vielzahl enger Gassen mit hohen Granithäusern und Gewölben. Zum Glück konnten wir zu diesem frühen Zeitpunkt dieses Dörfchen noch verschlafen und ver-träumt erleben. Leider spielte jedoch das Wetter nicht ganz mit und es regnete. Kurz vor dem Start durften wir einen frisch gepressten „Jus de Citron“ kosten, welcher sich für die folgende Laufstrecke als echter Vitamin-Kick entpuppte. Wir liefen durch zahlreiche Dörfer mit dem Endziel Lumio, wo der Bus auf uns wartete.
Vor dem letzten Abendessen organisierte unser Edgar noch eine Weinprobe auf dem Weingut Orsini. Dabei konnten wir einiges über den korsischen Wein und dessen Anbaugebiet lernen. Der letzte gemeinsame Abend wurde dann ausgiebig im Feriendorf gefeiert und trotz zahlrei-cher Kilometer in den Beinen konnten wir alle noch das Tanzbein schwingen – ein krönender und würdiger Abschluss einer tollen Laufwoche mit fantastischen Kulissen und Menschen, die jedoch leider viel zu schnell vorbei war!

7. Tag (Sonntag): 6:00 Uhr: Nach einer kurzen Nacht ließen es sich fast alle LäuferInnen samt Coaches nicht nehmen, nochmals die Laufschuhe auf Korsika zu schnüren. Wir liefen erneut den Berg hinauf und wurden bei Ankunft bei der Wallfahrtskirche Madonna de la Serra mit einem Sonnenaufgang belohnt, der seinesgleichen sucht. Etwas wehmütig führte uns der Weg zurück zum Strand in Calvi und weiter „Zum störrischen Esel“. Nach einem ausgiebigen Frühstück hieß es Koffer packen und langsam Abschied nehmen.
Eine tolle, erlebnisreiche, anstrengende, lustige Woche mit lieben, aufgeschlossenen und net-ten Menschen endete nach 7 Tagen. Mit Sicherheit werden einige auch nach dieser 2. Lauf-woche auf Korsika wieder zu „Wiederholungstätern“!

Ein herzliches Dankeschön gilt nicht nur unserem Lauf- und Motivationstrainer Günter und seinem Co-Trainer Markus, sondern auch ganz besonders unserem korsisch-vorarlbergerischen Guide Edgar!

Sabine Bereuter und Sandra Nitz-Röthlin
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